Google-Mutter Alphabet übernimmt Fitness-Tracker-Hersteller Fitbit für 2,1 Milliarden Dollar

Nachdem schon längere Zeit Gerüchte über den Kauf von Fitbit durch die Google-Mutter Alphabet in Umlauf waren, ist der Deal nun unter Dach und Fach: Alphabet hat sich jetzt mit Fitbit auf 7,35 Dollar pro Aktie und eine Übernahme geeinigt. Noch im Jahr 2015 war der kalifornische Fitnessband-Hersteller mit 20 Dollar Ausgabepreis je Aktie an die Börse gegangen. Dazwischen fiel der Kurs auf etwa 3 Euro. Allein die Übernahme-Gerüchte hatten den Kurs zwischenzeitlich aber wieder in die Höhe getrieben. Immerhin ist Alphabet einer der größten Fische im Teich: Das Unternehmen ging 2015 aus der Restrukturierung von Google hervor und galt 2016 auf Basis der ausgegebenen Aktien als wertvollstes Unternehmen der Welt, wurde kurze Zeit später aber von Apple überholt. Vollzogen wird die Übernahme laut Fitbit im nächsten Jahr: Zuvor müssen Fitbit-Aktionäre und Regulatoren grünes Licht geben. Fitbit stellt neben den klassischen Fitness-Trackern fürs Handgelenk auch Smartwatches her. Die Daten, die Nutzer zu ihrem Bewegungs- und Schlafverhalten, zurückgelegten Schritten und Kalorienverbrauch, aber auch zu gesundheitlichen Parametern sammeln, können sie über eine Reihe von Fitbit-Diensten auswerten und analysieren lassen. Die Menge an gesammelten Gesundheitsdaten gilt als wichtiges Asset des Unternehmens. Für ihre Produkte gewann die Firma mehrere Auszeichnungen, wurde aber auch dafür kritisiert, wie sie mit den gesammelten Daten ihrer Kunden umgeht. Inzwischen werden Aktivitätsdaten allerdings standardmäßig als „persönlich“ klassifiziert und sind nicht mehr wie früher einsehbar.  

Fitbit ist weiter auf Expansionskurs

So sagte das Unternehmen der Regierung von Singapur im August zu, für ihr Gesundheitsprogramm sowohl Fitness-Tracker als auch die passenden Apps zu liefern. Allein damit könnte etwa eine weitere Million Nutzer erreicht werden. Mit der Übernahme möchte der Google-Konzern näher an Marktführer Apple heranrücken und sich den Markt der sogenannten Wearables weiter erschließen, also von Technologie, die man trägt – wie Fitness-Armbänder oder Smartwatches. Alphabet-Manager Rick Osterloh lobt Fitbit für die Pionierarbeit, die das Unternehmen auf diesem Gebiet geleistet habe. Fitbit bringe nicht nur gute Produkte, sondern auch umfassende Erfahrung und eine große Nutzergemeinschaft mit. Mit den Wearables setzt Google weiterhin auf Ambient Computing: Statt verschiedene Funktionen in einem Gerät zu vereinen, sollen sich einzelne Spezialgeräte miteinander vernetzen. Damit erreichen Tech-Konzerne einerseits, dass ihre Dienste ständig abgerufen werden. Andererseits sind die Kunden so auch für Werbung permanent erreichbar. Durch die Übernahme des Fitness-Tracker-Herstellers Fitbit möchte Alphabet noch mehr Kunden den Zugang zu Google-Diensten ermöglichen. Die Fitbit-Übernahme ist nicht der erste Versuch der Google-Mutter, sich auf dem Wearable-Markt breiter aufzustellen. Den Markt dominiert Apple mit etwa 35 Prozent Marktanteil vor Samsung mit etwa 11 Prozent. Anfang des Jahres hatte Alphabet für 40 Millionen Dollar die Smartwatch-Technologie von Fossil gekauft. Dennoch konnte sich das Google-System Wear OS für Wearable-Betriebssysteme bisher nicht etablieren. Fossil vereinte zuletzt nur etwa 2,5 Prozent Marktanteil auf sich. Alphabet-Manager Osterloh erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit den Fitbit-Experten große Synergieeffekte, um die Google-Marktposition auf diesem Gebiet besser ausbauen zu können.  

Noch innovativer, noch zeitnaher, noch bessere Produkte dank Google

Auch Fitbit-Mitgründer James Park steht der Veränderung sehr positiv gegenüber. Mit den Ressourcen von Google im Rücken sollte es dem Unternehmen noch besser gelingen, innovative Produkte zu entwickeln und zeitnah auf dem Markt zu platzieren. Rick Osterloh von Alphabet bricht seinerseits eine Lanze für das Google-System Wear OS – der Konzern werde in enger Zusammenarbeit mit Fitbit jeweils das Beste aus den jeweiligen Plattformen kombinieren. Dass Google auch an den umfangreichen Daten zu Gesundheit und Freizeitverhalten Interesse haben könnte, wird dementiert: Nach eigenen Angaben hat der Konzern nicht vor, diese Daten für Werbung zu übernehmen bzw. auszuwerten.  
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