IP-Schutzklassen: Ist meine Smartwatch wirklich wasserdicht?

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, was hinter der Bezeichnung IP 68 steckt? Ist eine Smartwatch mit dieser Buchstaben-Zahlen-Kombination besser oder schlechter? In den folgenden Zeilen lüften wir das Geheimnis. Denn dahinter stecken die IP-Schutzklassen. Diese umfassen alle Schutzarten von elektronischen Geräten gegen oder bei Berührungen – die zum Ausfall oder Zerstörung führen könnten.

Internationale Norm: Das sind die verschiedenen Schutzklassen!

Unterschiedliche Temperaturen, Wasser und Feuchtigkeit, Dämpfe, Säure, Laugen und Öl – elektrische und elektronische Geräte müssen im Laufe der Jahre so manche Umweltbedingungen aushalten. Staub und Kratzer, Schmutz und Wasser, Stöße und sogar Bakterien machen ihnen ebenso das Leben schwer. Das eine Gerät hält einer Hochdruckreinigung stand, das andere nicht mal Spritzwasser. Damit der Verbraucher jedoch den Schutzgrad klar und deutlich erkennt, wurden internationale Schutzklassen eingeführt. Die Schutzklassen beschreiben, inwieweit Fremdkörper oder Feuchtigkeit in ein Gerät eindringen kann. Wer wissen will, ob seine Smartwatch tatsächlich in tiefen Seen wasserdicht ist oder nur einige Tropfen aushält, muss also den IP-Code beachten (die Abkürzung für International Protection oder auch Ingress Protection). Die bekanntesten IP-Codes sind beispielsweise IP 20 oder IP 44. Je höher die Zahl, desto höher der Wasser- oder Staubschutz. Hinter der Kennzeichnung verbergen sich verschiedene deutsche und auch internationale Normen:
  1. die IN EN 60529 (VDE 0470-1): 2014-09 Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code) – Deutsche Fassung EN 60529:1991 + A1: 2000 + A2: 2013, früher VDE 0470-1
  2. oder die ISO 20653: 2013 Straßenfahrzeuge – Schutzarten (IP-Code) – Schutz gegen fremde Objekte, Wasser und Kontakt – Elektrische Ausrüstungen.

Wasser, Staub und Beanspruchung: Auf einer Skala von 0 bis …

Die IP-Klassifizierung setzt sich aus zwei Zahlen zusammen. Dabei gibt die erste Zahl den Schutz gegen Fremdkörper und die zweite Zahl den Schutz gegen Wasser an. Damit der Verbraucher unterscheiden kann, welches Gerät einen hohen Berührungsschutz oder Stoßfestigkeit mit sich bringt, kann die erste Zahl einen Wert von 0 bis 6 einnehmen. Diese Zahl drückt ebenso aus, ob beispielsweise ein Uhr staubgeschützt ist! Folgende Tabelle zeigt, was welche Kennziffer bedeutet:
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Kennziffer Fremdkörper- und Berührungsschutz
ungeschützt
1 Geschützt gegen feste Fremdkörper, die größer als 50 Millimeter sind, geschützt gegen Berührung mit dem Handrücken
2 Geschützt gegen feste Fremdkörper, die größer als 12 Millimeter sind, geschützt gegen Berührung mit dem Finger
3 Geschützt gegen feste Fremdkörper, die größer als 2,5 Millimeter sind, geschützt gegen Berührung mit Werkzeug
4 Geschützt gegen feste Fremdkörper, die größer als 1 Millimeter sind, geschützt gegen Berührung mit Draht
5 Geschützt gegen Staub und Berührungen
6 Dicht gegenüber Staub und geschützt gegen Berührung
Die Zertifizierung des Wasserschutzes bietet sogar eine Skala von 0 bis 8, um hier kleine, aber feine Unterschiede bei der Isolierung gegen verschiedene Umgebungsbedingungen auszudrücken. Denn Tropfwasser ist nicht gleich Wasser mit einem starken Strahl: Manches Gehäuse hält der Reinigung mit Hochdruck – also einer Dampfstrahlreinigung – stand, andere nicht mal leichtem Regen.
Kennziffer Schutzart gegen Wasser
ungeschützt
1 Geschützt gegen senkrecht fallendes Tropfwasser
2 Geschützt gegen schräg fallendes Tropfwasser (unter 15 Grad Fallwinkel)
3 Geschützt gegen Sprühwasser (Regen oder Sprinkleranlage)
4 Geschützt gegen Spritzwasser (Waschstraße oder Regen von allen Seiten)
5 Geschützt gegen Strahlwasser (Wasserschlauch)
6 Geschützt gegen starkes Strahlwasser (durch Reiniger mit Hochdruck)
7 Geschützt gegen die Folgen von zeitweiligem Eintauchen
8 Geschützt gegen dauerhaftes Untertauchen

Weitere Schutzarten: Stoßfestigkeit, Vandalismus und elektrische Isolierung

Aber nicht nur der Fremdkörperschutz oder der Schutz gegen Wasser wird in einer Schutzklasse ausgedrückt. Der Schutzgrad gegen äußere mechanische Beanspruchung wird durch den IK-Code angezeigt. Auch dieser Code hat eine zweistellige Ziffer, die Aufschluss gibt, welche Schlagenergie beispielsweise ein Gehäuse aushält. Die Stoßfestigkeit wird dabei in Form von Joule gemessen:
Kennziffer Schutzart gegen mechanische Beanspruchung
00 Keine Stoßfestigkeit
01 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,15 J
02 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,2 J
03 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,35 J
04 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,5 J
05 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 0,7 J
06 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 1 J
07 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 2 J
08 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 5 J
09 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 10 J
10 Festigkeit gegen Stöße mit einer Schlagenergie von bis zu 20 J
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Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch erwähnt, dass auch eine Schutzklasse gibt, die den Grad der Absicherung gegen einen Stromschlag bei Berührung anzeigt: Wie gut ist die Elektrotechnik beispielsweise bei Ventilatoren isoliert? Hier gibt es zwei Schutzklassen: In der Schutzklasse I werden spannungsführende Bauteile und berührbare Metallteile am Schutzleiter durch Isolierung erreicht. Bei Schutzklasse II liegt eine doppelte Isolierung vor.

Vom Smartphone bis zur Lampe: Praktische Beispiele für die Schutzklassen

Die Schutzklassen helfen nicht nur beim Kauf einer Smartwatch oder dem neuen Handy. Der vom TÜV nach umfassender Schutzartprüfung vergebene Code gibt für alle elektrischen Betriebsmittel an, welchen Umwelteinflüssen und Fehlermöglichkeiten ein Produkt standhält. Während beim Smartphone die Schutzklasse IP 63 oder IP 64 gängig ist, haben Lampen im Innenbereich oft eine IP 20. Sind sie jedoch im Außenbereich oder im Badezimmer gewünscht, braucht es hier die IP 67, um nicht nur stoßfest, sondern auch gegen Flüssigkeiten gewappnet zu sein. Wird die Fassade eines Tages einer Dampfstrahlreinigung unterzogen, soll die Außenlampe dabei nicht zerstört werden. Geräte, die in Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Flur zu finden sind, haben meist eine Sicherheit zwischen IP 20 und IP 23 – das betrifft Toaster, Staubsauger und Co. Geräte, die im Badezimmer verwendet werden, sollten hingegen einen Schutz von IP 44 haben. Kabeldurchführungen und Kabelverschraubungen müssen ebenfalls wasser- und staubdicht sein. Kabeltrommel, Stromverteiler, Funksteckdosen, Schaltschränke, digitale Zeitschaltuhren, Hand-, Taschen- oder Stirnleuchten sind ebenfalls Beispiele für die Schutzklassen. Die Außensteckdose hat oft einen Schutz von IP 56 und die Unterwasserbeleuchtung im Garten die höchste Stufe IP 68.
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Zusammenfassung

IP-Schutzklassen sind Kennziffern, die bei elektrischen Betriebsmittel anzeigen, wie stark sie gegen verschiedene Umwelteinflüsse geschützt sind. Dabei gibt es Schutzarten für den Fremdkörperschutz (auch oft Staubschutz genannt) oder die Dichtheit gegen Wasser. Je höher die Zahl, desto höher der Schutzgrad. Die Zertifizierung wird vom TÜV vergeben.